Stress Press International


1992:
Sonja heiratet Wille.
Nicht in SPI erschienen.

Ein erschütterndes Dokument.

Dieser Film, die Leidensgeschichte einer tapferen Frau, räumt endlich auf mit dem ignoranten Gerede von “Multikultur”. Dieser Film räumt auf mit dem Dogma, fremde Lebensweisen müßten um jeden Preis toleriert werden.

Alles beginnt so harmlos, so verheißungsvoll: Eine junge Frau, gebürtige Schwäbin, lernt einen Mann kennen und verliebt sich in ihn. Zwar stammt er aus einem völlig anderen Kulturkreis, doch war er schon so oft im Süden. Er scheint sich assimiliert zu haben und macht einen ganz kultivierten Eindruck. Er spricht fast akzentfrei deutsch, versteht etwas von gutem Essen, trägt durchaus westliche, städtische, der Szene entsprechende Kleidung: er kann sogar charmant sein. Kurz: der ideale Ehemann! Doch an der Sache ist ein Haken: Der Mann ist Norddeutscher.

Die heiratswillige Schwäbin aus Winterbach wird von ihren Freunden gewarnt: Norddeutscher? Das ist doch einen ganz andere Mentalität. Weißt du denn nicht, was da oben los ist...? - Allein, Liebe macht blind. Die beiden heiraten und bald darauf - inzwischen haben sie einen Sohn - zieht die junge Frau in die fischgeruchgeschwängerte Heimat des Gatten.

Noch am Bahnhof bei Hamburg beginnt das Martyrium von Frau und Sohn: Bei der Begrüßung seiner Eltern fällt der Mann in den Dialekt seiner Kindheit zurück. Bis zum Ende des Films wird er kein deutsches Wort mehr von sich geben. Der Schwiegervater chauffiert die Neuankömmlinge mit seinem kleinen Mercedes vom Flugplatz in das entlegene Dorf. Auf der Fahrt über Land durchquert der Wagen etliche Gehöfte und Ortschaften. Einheimische, die Gehsteige vor ihren Häusern kehren, säumen die Straßen. Oh, trügerische Idylle!

Als die unglückliche Ehefrau ohne Holzpantinen aus dem Auto steigen will, wird sie von einer aufgebrachten Menschenmenge fast gelyncht. Ihr Mann läßt nun die letzte Maske fallen und herrscht sie an: “Mach das nicht noch mal!!” (Untertitel) Eindringlich untermalt die Filmmusik die immer schlimmer werdende Enge der Provinz: “An der Noordseeeküstee... ”

“...sind die Fiiischee im Waasssser und selteen an Land.”

- Das Dorf. Ekelerregende Szenen spielen sich ab. Die Verwandten reißen die Autotüren auf, und vor den Füßen der Aussteigenden wird nach pietistischem Ritus grausam ein Fischkopf geschlachtet. Überall liegen Gräten herum, und der Sohn bekommt ein Trauma. Es gibt ein großes Fest bei dem ohne Unterlaß ein Fischkopf nach dem anderen geschlachtet wird. Das Trauma des Sohnes verschlimmert sich, aber die Mutter, willenlos gemacht von Küstennebel und Jeverbier, denkt, “Naja, vielleicht wird's ja ganz gemütlich.”

Doch am nächsten Tag wird sie zu ihrer Schwiegermutter in die Küche gesperrt. Jetzt muß die arme Frau tagein, tagaus Krabben pulen und Fischköpfe schlachten. Abends, wenn der Mann am Haus baut, versucht sie ein paar Brocken Plattdeutsch zu lernen. Das eigentliche Eheleben liegt brach. Der Gatte in Schwaben noch ein leidlich geschickter Liebhaber, besteht plötzlich auf der Missionarstellung. Aus religiösen Gründen wie er sagt. Jede Nacht weint sich die Frau in den Schlaf. Längst benutzt sie nur noch Fischhauttaschentücher. Wenn sie zum Einkaufen aus dem Haus geht, muß sie sich die klobigen Holzschuhe anziehen.

Eines Tages entdeckt sie in einem HL-Markt einen tollen Staubsauger. Doch auf dem Preisschild steht “Huulbesen”! Da beschließt sie zu fliehen. “Aber nicht ohne meinen Sohn”, sagt sie anklagend zu ihrem Mann, der schon längst kein Deutsch mehr versteht. Sie befreit ihr Kind aus einem der berüchtigten Krabbenkutter-Kindergarten und entkommt bei Nacht und Nebel über die Elbe. Auf abenteuerlichen Wegen schafft sie es schließlich, sich in das heimatliche Winterbach a.d.R. durchzuschlagen.

Happy-End? Ja und nein. Wieviele Frauen teilen noch das grausame Schicksal, dem die junge Schwäbin so knapp entrinnen konnte? Frauen aus Tripstrill und aus Enzklösterle, aus Stuttgart und aus Heilbronn! Gewiß, der Film enthält Szenen, die zarter besaiteten Naturen schlaflose Nächte bereiten können. Aber ist das ein Grund, die Verbreitung der Wahrheit zu verbieten? In Bonn, so heißt es, fürchtet man bei einer Freigabe des Films um den Bestand der Bundesrepublik. Diese Angst ist berechtigt.

c/o Bernhard


Letzte Aktualisierung: 01.03.1996

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