Stress Press International


Stress - endlich Urlaub

Ich fühle mich schlecht. Es ist mal wieder Zeit. Vom Beruf abgenagt: die ersten Gedanken ob ich mir eine Modelleisenbahn zulege, oder sollte ich mal wieder in die Briefmarkensammlung reinschauen, und überhaupt, so ein neues Auto, geleast natürlich, wäre auch nicht schlecht. Doch irgendwann führt mich mein Weg wieder in den Keller. Gleich rechts, aus dem Schatten heraus glänzt Matt so`n Ding mit zwei Rädern.

Es muß wieder sein! Raus aus dem Alltag! Dinge erleben und Erlebnisse er f a h r e n um wieder mit Gelassenheit dem Stress des Alltags zu begegnen.

Zwei Tage kann ich mir frei machen. Freitag Abend, eine kurze Maschinendurchsicht. Samstag früh, es ist 4 Uhr. Draußen ist es noch Dunkel. Um niemand zu wecken taste ich mich vorsichtig zum Badezimmer. Natürlich knalle ich mit dem Kopf gegen die offenstehende Klotüre - doch keiner hat's gehört. Kurz vor 5 ziehe ich den Choke. Ein Druck auf den Anlasser und der Motor und erwacht zum leben. Erstmal rauf auf die Autobahn.

Stuttgart Ulm. Es sind knapp Hundert Kilometer. Gegen 6 Uhr kommt das Ulmer Münster ins Blickfeld. Kurzer Stop an einer Tankstelle. Ich fühle mich schon besser. Es ist kalt um diese Zeit.

Weiter geht's Richtung Kempten. Bald komme ich an die österreichische Grenze. Weiter über den Hochtannberg Pass. Die Fahrt beginnt Spaß zu machen. Flexenpaß, im Vollwaschgang über den Arlbergpass. In St. Anton bleibt das Standgas bei 3000 hängen. Hurra! Ein Defekt. Natürlich hab ich vor der Abfahrt den Tankrucksack mit etlichen Kilo Werkzeug gefüllt. Die Sache klärt sich schnell. Vom Verbindungsstück Vergaser/Zylinderkopf hat sich von der Klemmspange die Befestigungsschraube verabschiedet. Irgendwo finde ich eine passende Schraube samt Mutter und weiter geht's. Landeck, Urgen und dann links ab ins Kaunertal. Warm ist es geworden. In der Sonne sich 25 Grad. Auf den Bergspitzen liegt noch reichlich Schnee. Etwa 8 Mark Maut will der lustlos dreinblickende Agent in seinem Wachhäuschen.

"Nichts los heut?" frag ich ihn. Er zuckt mit den Schultern und sagt nur, "Zwischensaison". Die Kaunertalstraße ist eine Sackgasse und führt durch das Tal das von 9 Bergen eingerahmt ist die alle über 3000 Meter hoch sind. Hinter dem Gepatsch Stausee schlängelt sich die Straße mit 26 Kehren (die Nummer der Kehre steht jeweils im Scheitelpunkt) zum Gepatsch-Gletscher empor. Vorsicht ist angesagt. Im oberen Teil der Straße liegt Schippenweise Rollsplitt. Ich fahre bei strahlend blauen Himmel an mannshohen Schneewänden vorbei, deren Schmelzwasser in kleinen Bächen über die Straße läuft.

Der Gepatschgletscher ist ein bekanntes Sommerskigebiet und so stehen auch oben auf dem Parkplatz 5 große Busse. Begegnete ich die letzten 15 Kilometern keinem Menschen, hier topt das Leben. Skifahrer wohin das Auge sieht. Die Lifte sind in Betrieb und die Gaststätte hier oben ist jetzt um die Mittagszeit gut gefüllt. Ich setze mich auf die Terrasse in die Sonne, nehme die Füße hoch und sinniere über den Schwachsinn Skifahren nach. Nachdem ich noch eine Kleinigkeit gegessen habe, fahre ich zwei Stunden später wieder Retour.

Über Imst, Reutte (das Hantenjoch war noch gesperrt) geht es wieder in Richtung Kempten. In einem Naturfreundehaus übernachte ich dann und fahr am Sonntag über die B 10 zurück.

Mit Gelassenheit sehe ich dem Montag entgegen und die durchvibrierte Auspuffschelle werde ich am besten gleich jetzt austauschen.

In diesem Sinne Propeller Bernhard  


Letzte Aktualisierung: 01.03.1996

Propeller Bernhard