REIFENEMPFEHLUNGEN

Okober 96

In der Stress-Press Gemeinde gehe ich davon aus, daß nicht die Mehrzahl, wie ansonsten üblich, jedes Jahr ein neues Motorrad kauft.Mir gehts jedenfalls so, wenn ich mir gezielt eins angeschafft habe, will und tue ichs auch lange behalten. Unter diesem Aspekt gehe ich weiter davon aus, daß, gemessen an den damaligen Verkaufszahlen, die XT 600 Modelle aus den 80er Jahren und die BMW /5 /6 /7 Modelle durchaus nennenswerte Anteile im Leserkreis haben.

Für die älteren BMW Boxer, die auf 3.25-19 und 4.00-18 rollen, gibts einen Geheimtip der stand in der - dieses Jahr 96 leider verblichenen, Zeitschrift Gummikuh. Ich denke nicht, daß ich Urheberrechte verletze wenn ich ihn weitergebe. Der britische Reifenbäcker AVON, seit Jahrzehnten Motorradreifenhersteller (nicht wie Conti, mal machen sie welche, dann wieder nicht, dann mal wieder und dann versuchen sie den Entwicklungsvorsprung der anderen aufzuholen, ohne Erfolg) hat für diese BMWs und andere zeitgenössische Motorräder eine Sonderserie einer modernen Reifenkonstruktion aufgelegt. Es stehen zwar die alten Dimensionen auf der Seitenwand, der TÜV und gewisse Amtsträger, die sich da gerne einmischen, werden mit dem Ableseergebnis zufrieden sein, aber die Reifen fallen deutlich breiter aus. Laut Gummikuh soll deren Haftung der Metzeler-Alternative um einiges überlegen sein. Selbst ausprobiert habe ich bisher den Vorderreifen, mit überzeugenden Fahreigenschaften, ohne Mängel. Der Shimmy-Effekt ist übrigens total verschwunden!
Die Reifenheißen ROADRUNNER AM 20 Front und AM 21 Rear.

Für die XT 600 (vorne 3.00-21, hinten 4.00 oder 4.60-18) hab ich manches ausprobiert, brauchbares und weniger brauchbares. Die echte Superlösung aus meiner Sicht ist hinten der BARUM C20. Cleverweise hat dieser Reifen gleichzeitig die Größenbezeichnung 4.60/5.00-18 und 130/80-18, gibt in dieser Hinsicht also auch keinerlei Anlaß zu Beanstandungen (mein TÜV-Mann hats übrigens auf Anhieb kapiert).
Er paßt einwandfrei in meine rostpickelige Schwinge, könnte aber bei evtl. zu kurzer Kette (wie bei E.M. aus Wasserlach) rechts vorne streifen. Was mich beim Barum fasziniert, ist die außerordentlich geglückte Kombination von Straßen- und Geländetauglichkeit. Ordentlich Grip und Vortrieb auf losen, nassen, glitschigen, matschigen Untergründen (Schnee konnte ich noch nicht probieren), gepaart mit guter Schräglagenstabilität, da die seitlichen Stollen solide versteift sind. Das ist meistens ein Problem bei grob profilierten Gummiwürsten, daß die seitlichen Stollen auf der Straße in Schräglage rumwandern und biegen und knicken und so ein schwammiges Gefühl hinterlassen. Nicht so beim Barum, das exakte Fahrgefühl bleibt erhalten. Da die XT nunmal kein Autobahnbrenner ist, dürfte nicht ernsthaft stören, daß die Pendelei statt sonst bei 140 schon bei 125 -130 anfängt. Der Barum Iäßt natürlich mehr Gummi auf der Straße liegen als der Metzler Enduro 1 oder 2, aber er macht Spaß.

Eben diesen wünsche ich jedem, dem ich was Neues erzählen konnte und der's ausprobieren will.


Reinhard, Holzkirchen