Du denkst, du hast Probleme?
Den folgenden Beitrag habe ich aus dem britischen Club-Magazin der Jawa-Fahrer übersetzt, die ihn laut eigenem Bekunden aus dem "Swindon-magazine" gestohlen haben. Der Autor ist unbekannt. Ich unterstelle freundliche Genehmigung.
Zum Verständnis: Auch in Großbrittanien gibt es eine TÜV-ähnliche Institution, sie heißt dort MOT. Im Gegensatz zu Deutschland wird dort die regelmäßige Fahrzeugprüfung allerdings nur in bestimmten Werkstätten vorgenommen. Zur endgültigen Zulassung eines Motorrads muß außerdem die Fahrzeugsteuer auf einem Postamt entrichtet werden, das dazu autorisiert ist. Nach Zahlung der Steuer erhält der Besitzer eine Plakette, die er sich ans Mopped montiert und ihn berechtigt, es legal zu bewegen.
Hans aus Großsachsen
Seit Jahren höre ich die Leute stöhnen über die Schwierigkeit, ein Auto
oder Motorrad legal auf die Straße zu bekommen: "Ich habe nie Zeit, zum
TÜV zu fahren" oder "Meine nächste TÜV-Werkstatt liegt am anderen Ende der
Stadt, vier Kilometer weg!" Lächerlich!
Kürzlich entschied ich mich, Tonias MZ "Henrietta" wieder zuzulassen,
was erforderte, daß TÜV und Straßensteuer erledigt wurden. Es ist vier
Jahre her, daß Tonias Maschine zugelassen war, daher wollte ich sie (das
Mopped!) gründlich überholen und in einen möglichst anständigen Zustand
versetzen.
Zuerst war Reinigung angesagt, die Entfernung jahrelanger Anhäufung von
Staub, Rost, Fett usw. Unterdessen wurde die Batterie geladen, damit ich
den Motor ausprobieren konnte, bevor ich wirklich in die Stadt fuhr.
Nach einer Gallone alten Benzins begann das Mopped ein wenig besser
auszusehen, aber ich war gefrustet angesichts der Menge Rost, die sich
durch manche Stellen der Farbe hindurchbiß; und die Speichen sahen
entsetzlich aus. Mehr Arbeit als ich dachte! Glücklicherweise schien der
Motor nur Reinigung von Kontakten, Kerze und Vergaser sowie einen
Ölwechsel zu benötigen.
Wenn ich etwas hasse, so ist es das Polieren von Speichen. Doch das
kann ein Grund für die Verweigerung der TÜV-Plakette sein, da es in den
Augen des Prüfers die Erscheinung ernsthaft beeinträchtigt; so wurde
entschieden, diese zuerst zu putzen. Bei der Gelegenheit konnte ich auch
eine zu Beginn entdeckte Speiche ersetzen, ohne zuviel Zeit zu verlieren.
Speichen und Felgen gereinigt, poliert und lackiert ermunterten mich zu
näherer Beschäftigung mit dem Rest. Chrom poliert, Rahmenfarbe
ausgebessert, und das Mopped begann zusammenzuwachsen. Zuletzt mußten noch
Tank und andere Blechteile gereinigt werden, doch das konnte bis zum
Schluß warten, da ich die Mechanik checken und einstellen mußte, was ölige
Finger auf allen neu polierten Teilen bedeutet hätte. Bremsen und Kette
brauchten wenig Arbeit, aber Elektrik und Motor waren eine andere
Geschichte.
Die Hupe hupte nicht, und Lichter und Blinker schienen völlig andere
Dinge zu tun als ich wollte. Sobald eine Hupe nicht mehr funktioniert, so
weiß ich, daß es für mich einfacher ist, sie wegzuschmeißen und eine neue
zu kaufen. Jedoch hatte ich diesmal keinen Motorrad-Händler, bei dem ich
kurz vorbeischauen konnte, um sie zu ersetzen; so mußte ich sie
notgedrungen reparieren.
Hupen sind sehr einfache Bauteile, aber sie mögen es nicht, wenn ich an
ihnen herumfiesele; um genau zu sein: Sie hassen mich! Eine Suche durch
meine Regale von Ersatzteilen brachte zwei alte MZ-Hupen ans Tageslicht.
Die verwarzteste von ihnen wurde als Trainings-Objekt mißbraucht, um
herauszufinden, wie es innen aussah; es machte nichts, wenn ich sie
demolierte. Zu meiner großen Überraschung funktionierte das Ding, nachdem
ich die Kontakte gereinigt hatte. Mit tiefem Vertrauen schraubte ich es
ans Mopped, und auch dann tat es noch!
Als nächstes wurden Lampen und Blinker meinen zarten Gnaden
unterworfen. Es stellte sich heraus, daß es genügte, die Kontakte zu
reinigen und die Masseverbindungen herzustellen. Plötzlich funktionierte
alles perfekt.
Der Motor war nun daran, begutachtet zu werden. Viel war nicht zu tun,
lediglich ein Ölwechsel sowie Unterbrecherkontakte und Vergaser zu
reinigen und einzustellen. An diesem Punkt hatte ich ein paar Probleme;
die Kontakte waren gereinigt und eingestellt, Getriebeöl gewechselt, und
ich machte mich an den Vergaser. Nun sind die TSen von MZ dafür bekannt,
daß sie gerne Schwierigkeiten haben, bei niederen Drehzahlen zu laufen,
wenn der Choke-Zug nicht exakt verlegt ist. Dann steht das Standgas bei
1500 Touren, und das ist viel zu hoch.
Als ich den Starterkolben herausnahm, stellte ich fest, daß er sich am
Rand gespalten hatte und bei leichter Öffnung der Düse klemmte.
Unglücklicherweise besitze ich nur Ersatzteile für Jawa und CZ und kaum
etwas für den Zschopauer Wolf.
Nun, keine Sorge: Einfach Ian Bridge anrufen und ihn bitten, vom MZ-Händler in Swindon die Brocken zu holen und sie mir zu schicken. Viiiel zu einfach! Ian erzählte mir, daß er keinen
Händler kenne, der Ersatzteile für ein dreizehn Jahre altes Mopped
bunkern würde. Na gut, auf zu Jim Findlay in Bristol. Gleiche Geschichte;
aber er gab mir immerhin einige Telefonnummern, mit denen ich es versuchen
könne.
Bevor ich sie ausprobierte, entdeckte ich, daß es in Inverness einen
MZ-Händler gab, der meinem Wohnort am nächsten lag. Nein, sie hatten die
Teile nicht, die ich brauchte; aber falls ich eine Firma in York anriefe,
könnte ich vielleicht geholfen bekommen. Ich rief. Und sie konnten. Drei
Tage später kamen die Ersatzteile, und nach weiteren fünf Minuten besaß
das Mopped ein freundliches Standgas.
Alles, was mir blieb, war, das ganze Mopped zu polieren und hier und da
Lack auszubessern. Als alles getan war, sah "Henrietta" aus wie frisch aus
dem Laden. Jetzt: TÜV organisieren! Nur ein schneller Anruf bei Williams
Werkstatt und einen Termin festmachen.
"Mopped-TÜV? Tut uns leid, damit haben wir vor einiger Zeit aufgehört.
Wir handeln nur noch mit Gartengeräten; und die brauchen keinen TÜV.
Hahaha!"
"Arroganter Schnösel!" Dachte ich. "Wohin kann ich dann?" war das
gesprochene Wort. - "In Inverness ist ihr nächster." - " Aber das sind 140
Meilen weg; gibt es NICHTS näheres?" - "Nein, mein Herr, auf Wiederhören!"
Die Wiedergabe meiner folgenden Worte wurde streng zensiert, da ihr
alle aus Swindon Branch höfliche Leute seid, die die Adjektive nie
benutzen, die nach diesem Telefongespräch in der alten Molkerei zu hören
waren.
Ein schneller Anruf zu einem der moppedfahrenden Kumpels in Kilchoan
klärte, daß die einzigen TÜV-Werkstätten für dieses Gebiet in Inverness
und Oban lagen, beides die gleiche Entfernung von mir.
Allerdings bekam ich erzählt, daß die Werkstatt in Tobermory auf der
Insel Mull einen TÜV-Termin arrangieren könnte, wenn sie den registrierten
Prüfer zu fassen bekäme, und wenn er nüchtern wäre!
Bis jetzt hatte ich Swindon, Bristol, Inverness, York, William und
Kilchoan angerufen. Nun kam Mull dran. Es begann zu einem dieser
Ferien-Fernsehprogramme zu werden.
"Guten morgen, führen Sie Motorrad-TÜV durch?" - "Ja; falls wir den
registrierten Prüfer finden können. Er arbeitet für eine Busgesellschaft,
und wenn er nicht hier ist, können wir ihn nicht benutzen; nur wenn er
hier ist, können wir das. Das heißt, vorausgesetzt, wir können ihn
erwischen, bevor er die Kneipe erreicht", war die vertraueneinflößende
Antwort.
"Okay; lassen sie es uns probieren", sprach ich. "Haben Sie eine Idee,
wann das sein könnte?" - "Irgendwann im September."
Da das Gespräch im August stattfand, dachte ich mir, daß das ein wenig
abenteuerlich klang. "Wir reden von 1994?" war meine scherzhafte Frage.
"Natürlich, mein Herr. (Entdeckte ich verletzten Stolz in seiner Stimme?)
Wann ist der TÜV bei ihnen fällig, mein Herr?" - "Vor vier Jahren", war
die schnelle Antwort.
"Dann werden sie so bald als möglich einen Termin wollen? Ich werde
versuchen, es für sie bereits Anfang September einzurichten. Ich werde sie
anrufen, wenn wir den Prüfer gefunden haben."
Der August ging ins Land, gleichfalls ein Teil des Septembers.
Schließlich kam der lang erwartete Telefonanruf: "Können Sie das Motorrad
naächsten Mittwoch zu uns bringen?" - "Haben sie ihn gefunden?" -
"Jawoll!" - "Ist er nüchtern?" - "Ja, im Moment. Ich kann ich es
allerdings nicht nach Mittwoch garantieren. Können sie das Motorrad über
Nacht dalassen und am Donnerstag holen?"
"Sorry, das ist nicht möglich. Es würde mich eine Extra-Fähre kosten."
Dieser TÜV kostete mich ohnehin ein Vermögen, und ich war nicht in der
Lage, mir einen zusätzlichen Fuffi für eine unnötige Fahrt aus den Rippen
zu schneiden.
"Na gut. Wir werden darauf bestehen müssen, daß er alles auf einmal
erledigt."
Ich konnte nicht glauben, was ich hörte. Ein TÜV-Check dauert ungefähr
zehn Minuten, und wenn der Graukittel wirklich streng ist, eine halbe
Stunde. Und hier erzählte mir der Bursche etwas von zwei Tagen! Ich kann
ein Mopped zerlegen und zusammenbauen in dieser Zeit!
"Okay! Ich werde es ihnen nächsten Mittwoch bringen. Ich werde die
10.45-Uhr-Fähre nehmen."
Die ganze Woche versuchte ich auszuknobeln, wie ich den Preis für die
Fähre sparen konnte. Ein Paddel anstelle des Hinterrades anbauen, zwei
45-Gallonen-Tonnen anschnallen? Nein! Ich würde die sechzehn Pfund PLUS
den Fuffi für mich abdrücken müssen. Unglücklicherweise hat niemand der
Fährgesellschaft gesagt, daß der Fahrer eines Moppeds KEIN Wahl-Zubehör
ist.
Der große Tag dämmerte, und ausnahmsweise war es ein lieblicher
sonniger Tag, als ich zu dem großen Abenteuer aufbrach, unser erstes
Fahrzeug auf die Scholle Mulls zu bringen. Ich hatte mit Bedacht die
10.45-Uhr-Fähre gewählt, da sie gewöhnlich ziemlich leer von PKWs und
Fußgängern ist. Am Tag zuvor war ich bereits an der Fähre gewesen, um der
Mannschaft zu sagen, daß ich ein Mopped zum TÜV führe, auf keinen Fall die
Fähre versäumen wolle und es vorziehen würde, als erster in Tobermory von
Bord zu sein (also als letzter drauf in Kilchoan). Es kommt nicht darauf
an, was du kennst, sondern wen!
Die Kilchoan-Tobermory-Fähre ist einem Panzer-Sturmboot sehr ähnlich.
Du kennst die Dinger, die einen Strand rammen, und Errol Flynn und John
Wayne kommen herunter und gewinnen den Kampf in fünfundvierzig Minuten.
Ich denke mir, daß sich die Besatzung unserer Fähre immer noch in diesem
Film befindet.
Das einzige Problem taucht auf, wenn dem Durchschnittstouristen gesagt
wird, daß er rückwärts auf das Boot zu fahren habe. Das letzte Mal, als er
den Rückwärtsgang benutzte, war während seiner Fahrprüfung, als er beim
vierzehnten Mal endlich die Parklücke fand. Nun muß er es ohne Anwesenheit
des Fahrlehrers tun. Und das mag er nicht!
Ich war der erste am Pier, und während ich wartete, kamen sie alle an:
Ein junges Paar in einem ausgelutschten Escort Kombi, das den größten Teil
seiner Wartezeit damit verbrachte, sich gegenseitig die Rachenmandeln zu
untersuchen. Offensichtlich erwarteten sie ein schmutziges Wochenende mit
der unmißverständlichen Matratze im Heck und verstärkter
Hinterradfederung.
Weiter eine Urlaubs-Familie in einem hochglanzpolierten Serie-Drei-BMW.
Sie standen unter Schock, da sie 50 Kilometer auf Landstraßen zu fahren
hatten, und mußten nun hören, daß sie ihr Fahrzeug jetzt über eine Rampe
rückwärts auf ein Schiff bringen mußten. Der Fahrer las krampfhaft die
Bedienungsanleitung des Wagens, um herauszufinden, wo der Rückwärtsgang
war.
Die nächste Ankunft war ein schäbiger, aber schillernd bemalter
VW-Campingbus, voll mit Woodstock-Flüchtlingen. Ihr kennt den Typ: Bärte,
Perlen und ein Regiment nackter verwahrloster Kinder mit laufenden Nasen;
das jüngste davon hängt lässig an einer völlig entblößten Milchstation.
Diese "Familie" glaubte innig an die freie Entfaltung, während zwei der
übrigen Kinder damit beschäftigt waren, "Jesus lebt, prima!" mit Hilfe
eines Fäustels und eines Stechbeitels in den Lack des BMW zu radieren.
Ich schlenderte hinüber zu dem Fahrer des VW und fragte, wie alt der
Junge sei, der den Fäustel so virtuos handhabte.
"Damien? Oh, er ist neun, mein Freund!" war die Antwort.
Daraufhin schlug ich freundlich vor, daß Damien die Finger von meinem
Mopped lassen sollte, wenn er sich noch seines zehnten Geburtstags
erfreuen wolle. Und wenn irgend jemand vom Rest der Horde auch nur in die
Nähe käme, würden sie die ganze Strecke bis nach Tobermory eine kostenlose
Wasserski-Lektion erhalten, vorzugsweise mit dem Strick um ihre Hälse!
Eilig zog ich mich von dem VW zurück, da die kranke Luft aus dem
Innenraum begann, mich auf einen Trip zu schicken, auf den ich nicht
unbedingt wollte.
Die weitere Unterhaltung wurde gestoppt, da die Fähre die Beton-Rampe
mit einem erderschütternden Schlag rammte. Die Bugwelle drohte Damien das
erste Bad seit seiner Geburt zu verpassen.
Das Paar in dem Escort unterbrach seine anatomischen Untersuchungen mit
den Worten: "Hat sich die Erde auch für dich bewegt?" Und der Fahrer des
BMW ließ sein Handbuch fallen.
Sobald die Bootsrampe auf die Erde gekracht war, begann eine Stampede
der Fußpassagiere an Bord der Fähre, die nur durch ein Besatzungsmitglied
zurückgeschlagen werden konnte, und zwar mithilfe eines Schlauches, der
fauchend heißen Dampf spie, wobei der Mann erklärte, daß er es bevorzuge,
zunächst die PKWs und Passagiere abzuladen, die bereits an Bord seien, und
daß dann die Fahrzeuge vor den Fußgängern geladen werden könnten.
Unterdessen hatte sich eine Gruppe Ortsansässiger versammelt, und Geld
wechselte verstohlen von Hand zu Hand, wobei Wetten gesetzt wurden, wer
denn bei der Auffahrt den Auspuff verlieren würde; wieviele Anläufe
gebraucht würden, um rückwärts die Rampe zu erklimmen; wer in wen krachen
würde; wessen Auto ins Meer fallen würde, und so weiter. Später erfuhr
ich, daß ich für einen Einheimischen gehalten wurde und daß ein Motorrad
wohl keinen Rückwärtsgang habe. So spielte ich in den Wetten keine Rolle.
In einer Rauchwolke von Reifengummi startete der Escort, und während er
vom Gipfel der Rampe durch die Luft flog, schaffte er es, einen Klafter
seines Lacks zu entfernen, indem er an einem Poller entlang schrammte.
Der Fahrer des BMW fiel in Ohnmacht.
Nach einem Kriegsrat in dem VW-Bus wurde Damien ausgewählt, das Vehikel
zu fahren, um zu sehen, welchen Schaden er anrichten könne.
Die Besatzung hatte unterdessen das Schiffsdeck evakuiert und
beobachtete die Show aus der Sicherheit des Steuerhauses. Ich war nun an
der Reihe, und mit vollendetem Können brüllte ich die Rampe hinauf, riß
das Vorderrad in die Höhe und "Henrietta" auf ihrem Hinterrad herum, um in
Gegenrichtung zum Stehen zu kommen. Donnernder Applaus erscholl von den
Einheimischen, und ich glaube mich zu erinnern, daß ich 180 Pfund für
künstlerische Darbietungen die Besitzer wechseln sah, bevor die Mannschaft
die Rampe anzog und wir in See stachen.
Die Reise nach Tobermory war ziemlich ereignislos; die Bewohner des
Escort waren ins Innere zurückgekehrt, um sich zu vergewissern, daß die
hinteren Federn nicht beschädigt worden waren. Die Woodstock-Familie hatte
alle Fenster geschlossen, füllte den VW mit dichtem Rauch und buchte einen
Privat-Trip, zu dem niemand sonst eingeladen war.
Irgend jemand hatte einen Arzt gefunden, der den BMW-Fahrer am offenen
Herzen operierte, nachdem dieser Damiens Handarbeit entdeckt hatte.
Die Besatzung hatte sich im Steuerhaus eingeschlossen und absolvierte
eine Ausbildungsstunde mit "Die vollständigen Erzählungen von Para Handy",
was Lesen erfordert.
Ich? Ich putzte nur die Salzspritzer von "Henrietta" herunter.
Endlich Tobermory! Sowie die Rampe den Boden berührte, war ich fort und
überließ den Haufen Irrer sich selbst. Ich muß gestehen, daß ich ein wenig
Schwierigkeiten hatte, durch die Polizeiautos, Sanitäter, Zöllner und
Drogenfahnder zu manövrieren, während sich die Such- und
Rettungshubschrauber bemühten, alle an der gleichen Stelle der
Auffahrtsstraße zu parken. Die Werkstatt war in Sicht, und ich stieß einen
Seufzer der Erleichterung aus, als ich "Henrietta" im Hof parkte.
Der Besitzer kam heraus, und ich fragte ihn, wo ich das Mopped lassen
könnte. "Lassen sie es nur dort am Bordstein stehen", meinte er. "Welche
Fähre wollen Sie nun zurück nehmen?" - "Die nächste?" stichelte ich. "Ist
ER hier?"
"Och, nein, noch nicht, aber bald. Und sie werden keinen Ärger mit
diesem Motorrad haben." - "Ich werde gegen zwei Uhr anrufen", erwiderte
ich, "nachdem ich meine messages erhalten habe." ("Messages" bedeutet auf
Schottisch "Einkäufe". Ich werde langsam fast zweisprachig!)
Als ich meine Klamotten in das Topcase tat, hatte ich die plötzliche
Vorstellung, daß das Mopped seinen TÜV bereits hinter sich hätte. Mit dem
typischen Mißtrauen eines Jawa-Besitzers drehte ich die Räder, so daß die
Ventile in einer bestimmten Position standen. Nun würde ich wissen, ob das
Mopped bewegt worden wäre oder nicht!
In einer halben Stunde war der ganze Einkauf erledigt, so daß ich mich
entschloß, das Postamt anzurufen, ob sie die Steuer für mein Mopped
entgegennehmen würden. Durchorganisiert wie ich war, hatte ich alle
nötigen Papiere bei mir. Ja, hieß es, sie nehmen Motorrad-Steuern. Aber
heute würden sie nur halbtags arbeiten, und das Amt sei ab 13 Uhr
geschlossen.
Ich mochte mein Pech nicht glauben: Das Mopped würde nicht vor zwei Uhr
fertig sein, was bedeutete, daß ich am nächsten Tag nach Acharacle fahren
mußte, um es zuzulassen - eine weitere Reise von 65 Kilometern!
Um ungefähr zwei Uhr schlenderte ich zu der Werkstatt, um das Mopped an
derselben Stelle wiederzufinden, die Ventile in der Position, in der ich
sie verlassen hatte. Verzweiflung überkam mich: Der Prüfer war noch nicht
aufgetaucht, und ich mußte am Ende das Motorrad hier lassen!
Der Besitzer kam heraus: Ich könne mein Mopped mitnehmen, es habe die
TÜV-Prüfung bestanden. Sollte ich am Ende recht behalten haben, daß
"Henrietta" die Prüfung bestanden hatte, sobald ich die Werkstatt erreicht
hatte, und daß alles, was der Prüfer tat, eine Unterschrift auf einem
Formular war? Ich stritt mich nicht, sondern zahlte die Gebühr, zog die
Klamotten über und ritt so schnell ich konnte zurück zur Fähre, bevor
irgend jemand seine Meinung ändern konnte.
Die Reise zurück nach Kilchoan war recht uninteressant, ich war der
einzige Passagier an Bord, und "Henrietta" parkte, durch die Leere
wunderbar geschützt, mitten auf dem Wagen-Deck.
Zurück zu Hause entschied ich mich, das Postamt in Acharacle anzurufen,
um sicherzugehen, daß sie die Steuer am nächsten Tag entgegennehmen
würden. Ja, sie würden es tun, aber "wir schließen um 13 Uhr. Donnerstags
arbeiten wir halbtags!"
Und du denkst, du hast Probleme mit TÜV und Zulassungsstelle?