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Hanuta-Racing-Team

Es ist weltweit unbekannt, wird von niemeandem gesponsert, hat nie einen Sieg errungen, doch für die Mitglieder ist es das wichtigste Team im Diesseits. Es besteht aus zwei äußerst erfahrenen und wagemutigen Fahrern und einer davon bin ICH. Wahrscheinlich deswegen, weil er mich vor 25 Jahren mit meiner 600er BMW so gnadenlos abgeledert hat (mit einer 250er Yamaha!), läßt mein Freund mich immer vorausfahren. Das er dabei das von der MZ ausströmende Aroma ein- und wieder ausatmen darf macht ihn sozusagen zum Bio-Katalysator. Da er sowieso Camel und Reval raucht, ist er inzwischen so giftimmun wie eine pensionierte Laborratte.

Unsere Weibsen, die besten von allen, lassen uns für unsere Streifzüge nur ungern ziehen, verständlich, wer trennt sich selbst nur für Stunden von den besten Ehemännern aller Zeiten. Beim Abschied hängen sie an uns als hätte uns der Pfarrer mit Sekundenkleber getraut. Doch der Mann muß hinaus ins feindliche Verkehrsleben, das uns mit der STVO, StVZO, Radarfallen, Laserpistolen und flensburger Punkten vergällt wird. Deswegen trauen wir uns nie so wie wir könnten, weil wir immer so möchten wie wir nicht dürfen und nicht wollen, daß wir sollen (und zwar Strafzettel zahlen). SPI-Gemeinde bitte erklärt diesen Satz.

Auf unseren Ausfahrten ergänzen wir uns perfekt, ich kenn die Uhr, er ist bestens im Kopfrechnen (Zweitakt-Mischungsverhältnis) und die Landkarte halten wir beide für Schnittmusterbogen aus Burda´s Hausfrauenmagazin. So kommt es, daß wir meist zu spät, mit qualmenden Mopeds im falschen Ort stehen und ratlos Gastarbeiter und Asylanten nach dem Weg fragen. "Gehist hiewoust her Koma seidzt." Dies war nicht etwa die Antwort eines Türken, dessen Gebiß in den Straßengulli gefallen ist, sondern ein Fan des FC Bayern, der an diesem Tag vom FCN geschlagen worden war. Dies ist lang her und wird auch in nächster Zeit nicht wieder vorkommen.

Aber lustig ists schon. Zur Belohnung genehmigen wir uns immer ein Hanuta. Zu Weihnachten und zum Geburtstag habe ich also jede Menge Hanutas bekommen un d dummerweise im Buffet gelagert. Jetzt bei Saisoneröffnung waren fast alle weg, Packung aufgerissen, Papierschnipsel und Brösel überall. Ich werd eine Mausfalle bei meinen Hanuta-Vorräten aufstellen. Hör ich nächstens einen Schrei, Weiß ich, der Schädling ist gefangen und ich bin vermutlich seit 35 Jahren mit dieser Knabbermaus verheiratet. Mal sehen, ob´s klappt. Falle, Heftpflaster und Jod habe ich bereits besorgt.

Seit der letzten Saison bin ich etwas bei Käptn "Blaubeer" so sein Spitzname, im Ansehen gestiegen. Mir lief eine MZ (was sonst) ETZ 250 A zu. Das A ist wichtig, es ist ein Armeefahrzeug der ehemaligen NVA. Seitdem nennt er mich respektvoll Major und wir haben pro Ausfahrt höchstens zweimal zu schrauben: Tankdeckel auf, Tankdeckel zu, wie langweilig. Auch Kupferwürmer müssen nicht mehr bekämpft werden, obwohl er eigentlich mein lebender Schutzbrief ist, als gelernter Automechaniker.

Allein durch sein Handauflegen auf Klemme 15 bei meiner ETS sind sämtliche Kupferwürmer feige mit erhobenen Händen und Füßen aus dem Kabelbaum gekrochen und haben sich bedingungslos ergeben. Auch die übrige Mechanik ist für Blaubeer ein Klacks. Virtuos wie einst Karajan dirigiert er sein Orchster aus Gabeln-, Ring- und Steckschlüsseln, vereint mit Schraubenziehern und sonstigem Graffl hat er einst sein Opus 1 erschaffen: er hat sich selbst ein eigenes Auto komponiert! Den Ausrutscher verzeihen wir, er ist geborener Zweiradfahrer.

Da sein Hausmeister bestimmt nicht SPI liest darf ichs ja verraten: seine Yammi (RD400) hat er in seiner Wohnung top restauriert und zur Geisterstunde durchs Stiegenhaus auf die Straße transportiert. Aber er fährt halt immer noch die falsche Marke. Anzeichen einer Bekehrung sind jedoch vorhanden (s.Foto).

Letzten Sommer haben wir uns sogar zweimal in die Alpen gewagt, Großglockner, Penserjoch usw. Das höchste an Gefühlen war aber die Strecke Sarntal, dann westlich Richtung Kastelruth ins Villnößtal und übers Würzjoch! Da konnten wir die Wildsau rauslassen, wenig Verkehr, Berge und Kurven bis zum Schwindligwerden. In Zwischenwasser haben wir einen Hanuta-Stop eingelegt, dabie kräuselte Qualm von der hinteren Bremstrommel meiner MZ, ich hab das sofort mit nassen Tüchern bekämpft. Es war aber nur das Konservierungswachs, denn die NVA war selbstverständlicherweise NEU ( wer mich kennt, der weiß, ich kauf kein altes MZ-Gelumpe - "Das stimmt, denn der Vadder läßt sich altes MZ- Gelumpe nur schenken"- Mederers Tochter).

Beim Abkühlen meines edlen Renners fiel mir ein, hätten wir echte Pferdestärken so geschunden wie bei der Kavallerie, dürften wir unsere schäumenden, zitternden und schwitzenden Gäule mit Stroh abreiben, wie es bei der Reiterei früher so üblich war. Blaubeer hätte über vierzig Pferdchen schrubben müssen, ich hätte ihn schon nach 18 zuschauen dürfen. Woraus der geneigt Leser schließen darf, daß Blaubeer mir maschinell haushoch überlegen war.

Noch schlimmer - ich weiß er ists mir auch im Fahrenkönnen - und das stinkt mir, weil´s immer schon so war, seitdem wir 1970 erstmals unsere Klingen kreuzten. Er mit dem eleganten Florett namens DS 250 und dagegen meine R 69S ein schwerer Säbel, ein stumpfer noch dazu.

Zwecks seelischen Aufbaus bin ich manchmal auch alleine unterwegs über die übelsten Ackerwege, die NVA mag das, Blaubeer weniger. Bin ich aber neulich fürchterlich in eine Schlaglochserie reingekracht, der MZ war´s wurscht, aber ich hab mir deswegen eine Gebärvaterversenkung zugezogen. Mit meinen straffsten Sport-Hosenträgern, eingestellt auf härteste Zúgstufe, brachte ich das Problem wieder in den Griff und Blaubeer hat von meiner Schwarzfahrt nix mitgekriegt.

Ab und zu hab ich aber schon meine Highlights: kürzlich blieb er mit Spritmangel auf der Autobahn stehen, bisher unmöglich, weil KBB konsequent alle 200 km tankt. Ich habe aber heimlich die MZ etwas entdrosseln lassen und sie rannte erheblich schneller. KBB mit der Yammi hinterher und da hat sie etwas mehr gesoffen.

Großmütig habe ich seine große RD aus dem Tank von meiner schwachen MZ zuzzeln lassen. Es hat sozusagen die Kuh vom Kalb gesoffen. Darauf ein Hanuta! Wo er meine NVA immer abfällig als vollgefressenes Fahrrad beleidigt! Aber deswegen die Freundschaft kündigen? Niemals, wo wir jetzt Hanuta-süchtig geworden sind und schließlich ist er Kfz-Elektriker. Drum Blaubeer, auf noch viele Kilometer in alter Freundschaft, selbst wenn wir irgendwann die Hanutas in die Milli eintunken und lutschen müssen, das versprech ich Dir - ins Roth-Händle!

Servus
Mederers-Vadder, Nürnberg

Wer tunt mit mein "vollgefressenes Fahrrad" heimlich auf 170 km/h ?

MZ MZ MZ MZ MZ MZ MZ MZ MZ MZ MZ MZ MZ


Letzte Aktualisierung: 30.11.1996