Vom Nicken können Halswirbel brechen
Als im Frühjahr 1933 die SPD alle Juden aus dem Parteivorstand hinausschmiß in der Hoffnung, auf diese Weise weiterem Nazitrerror zu entgehen, was ihr natürlich überhaupt nichts nützte, so war dies "vorauseilender Gehorsam". Auch bei allen anderen historischen Beispielen von vorauseilendem Gehorsam - und es gibt eine Menge davon - fiel der Gehorsame regelmäßig auf die Schnauze.
Was hat das mit Motorrädern zu tun?
Unter Motorradfahrern und deren Verbänden herrschen wieder Tendenzen zu vorauseilendem Gehorsam. Nichts anderes ist es, wenn man an einer europaweiten Norm für Protektorenkombis mitarbeitet in der Hoffnung, dadurch einen Tragezwang zu verhüten. Nichts anderes ist es, wenn alle in die Laut-ist-out-Trompete blasen in der Hoffnung, dadurch die schwarzen Männer in Bonn und Brüssel zu besänftigen, damit sie sich nicht noch weitere Beschränkungen einfallen lassen. Eine vollkommen unberechtigte Hoffnung, denn mit solch freiwilliger Selbstkastration werden zusätzliche Repressalien nicht verhindert, sondern eher noch beschleunigt, da deutlich wird, daß bei den Moppedfahrern nicht mit Widerstand zu rechnen ist.
Nun könnte man sagen: "Soll'n sie doch! Wer ohne Not eigene Rechte aufgibt, hat's nicht besser verdient." Der Haken bei der Geschichte ist nur, daß wir, die wir nicht mit-duckmäusern, von den eifrigen Nickern mit hineingerissen werden. Und dieser Haken veranlaßt mich, zum Beispiel diese Zeilen zu schreiben. Er wird dafür sorgen, daß wir auch in Zukunft den falschen Propheten sagen müssen, in wessen Horn sie da stoßen.
Hans aus Großsachsen