Buch gelesen:

”Die Obere Hälfte des Motorrades“


1984 haben meine Eltern eingesehen, das ich unheilbar mit dem Motorradvirus infiziert bin. So gabs zu Weihnachten dann einen Nierengurt (den ich heute noch benutze) und die Lektüre ”Handbuch für Motorradreisen” von Rogge/Leverkus (das ungefähr seit Sylvester 84 in der Ecke liegt). Die vermeintlichen Tipps und das Dummgeschreibsel von ”Klacks” waren absolut für die Hose. Also seit dem nie wieder Motorradliteratur in Buchforrn in die Hand genommen. Bis dieses Frühjahr in allen bunten Motorradblättchen mit bombastischem Aufwand PR für ein Werk Namens ”Die obere Hälfte des Motorrades” gemacht wurde. Also in einer Stunde der Muse ab in den Buchladen und ma1 ein bisschen eingelesen und weiter gelesen, und noch weiter gelesen bis mich die Buchhändlerin schon böse anschaut und ich das Buch schuldbewusst kaufe und dann daheim gleich weiter lese, weil alles so interessante Sachen drin stehen:

Der erste Teil des Buches handelt davon, warum der Mensch im Prinzip unfähig ist, ein Motorrad zu fahren und wie er diese Unfähigkeit am einfachsten los wird. Der Autor gibt interessante Erklärungen für bestimme Verhaltensweisen beim Motorradfahren und setzt diesen die physikalischen Fakten entgegen. Hier wartet der Autor mit einigen sehr augenscheinlichen Rechenbeispielen auf, um das ”unnatürliche” und die damit verbundenen Gefahren des Motorradfahrens aufzuzeigen.

Der zweite Teil beschäftigt sich mit der Frage ob man mit ”Kopf oder Bauch (Gefühl, Empfinden) fahren soll, wobei der Autor zu dem Schluss kommt, dass das Fahren aus dem Bauch immer das schönere und richtigere Fahren ist und das der Kopf nur noch zur Kontrolle und zur Absicherung eingesetzt werden sollte. (Aber das weiß ein richtiger Stresser ja eh schon)

Im dritten Teil wird die Einheit von Mensch und Maschine beschworen. Dieses Gefühl mit der Maschine verwachsen zu sein und mit dem Motorrad als Einheit zu funktionieren. Der vierte Teil gibt auf Basis der vorangegangenen Teile Denkanstöße, den eigenen Fahrstiel zu überdenken und weiterzuentwickeln.

Besonders folgende Ideen fand ich interessant:

”Das Risikointegral”: Der Motorradfahrer bildet eine Art Mittelwert aus der Schwere des möglichen Ereignisses (das immerhin tödliche Folgen haben kann) und der Wahrscheinlichkeit seines Eintritts, die in der Tat nur gering ist. z.B. fährt man eine Kurve, in die man nicht einsehen kann zwar langsamer als in eine übersichtliche Kurve, aber auf jeden Fall immer noch zu schnell, um auf ein in der Kurve vorhandenes Hindernis reagieren zu können.

Der bewegungslose Lenker: Der Lenkeinschlag auf einer Landstraße beträgt ca. 0.5 – 0.8 Grad. (Autolenkrad 45 Grad) Autobahnfahrt ca. 0.2 Grad.

Wer schräglagenscheu fährt, lebt gefährlich: Hat mich angesprochen, da ich ab einer bestimmten Schräglage nicht mehr tiefer rein bin und da ich Leute mit viel weniger Erfahrung kenne, die aber wesentlich größere Schräglagen fahren. Also Reifen mit Kreide markiert und wochenlang geübt um auch das seitliche Reifenprofil zu nutzen. Fahre jetzt wesentlich schräger!!!

Bremsübungen: Das Buch fordert auf Extremsituationen zu üben. Und eine richtige Bremsübung hab ich schon 10 Jahre nicht mehr trainiert. Nicht das ichs nicht könnte, ab einem gewissen Alter hat mans einfach nicht mehr nötig....... Also nach der Lektüre gleich auf den leeren Supermarkt Parkplatz und richtig Lehrbuchmäßig gebremst. Hat auch super verzögert meine Dicke 1100 ST (Ohne ABS). Hab leider vergessen kurz vorm Stillstand die vordere Bremse wieder auf zumachen. Bin ich dann ganz anfängermäßig umgefallen......

Meine Meinung über das Buch: Sehr empfehlenswert

Fränky