Florida - Ontario 97
Heading North mit dem Musikdampfer
Zu meiner in Florida zugelassenen Goldwing GL 1200 bin ich gekommen wie die Jungfrau zum Kind: Mein Bruder war für zwei Jahre beruflich in Florida. Beim Telefonieren ließ er durchblicken, dass das am meisten gefahrene Motorrad in Florida die GL 1200 ist, und dass diese Dinger relativ günstig sind. Also habe ich ihn beauftragt, in meinem Namen eine 1200er Goldwing zu kaufen, die in einem zugelassenen guten und fahrbereiten Zustand zu sein habe und dabei nicht mehr als 3900,- DM kosten solle. Nach ca. 2 Wochen meldete er auf meinem Anrufbeantworter, dass ich ihm einen Scheck über die 3900,-DM schicken solle und im übrigen stehe die 84er Goldwing bei ihm auf dem Hof, sei zugelassen und versichert und fahre sich für ihre ca. 320 kg gar nicht mal so schlecht (sogar in Badeschlappen und ohne Helm).
Nach dieser freudigen Nachricht wurde der nächste Urlaub geplant. Von Florida nach Ontario/Kanada, wo ich Verwandtschaft besuchen wollte und die Wing bei meinem Onkel unterstellen konnte (um dann irgendwann quer durch Kanada zu fahren!!!!). Leider hatte meine geliebte Sozia in diesem Sommer keinen Urlaub und streikte sowieso bei dem Gedanken, in 12 Tagen quer durch die Staaten zu fahren. Alle anderen Pappnasen, welche die Idee am Anfang ganz super toll fanden, sagten natürlich unter irgendwelchen fadenscheinigen Vorwänden auch ab (O-Ton: Kein Urlaub, kein Geld, keine Unterbringung fürs Zwergkaninchen, Frau kriegt Kind usw.). Also habe ich mich für die Lonesome-wolf-Nummer entschieden. Mitte August Flug über Atlanta nach Orlando. In Atlanta wurde es dann interessant: Anstellen am Immigration Office, die Abfertigung der Passagiere vor mir geht zügig voran. Als ich dran bin, bekomme ich aber nicht meinen Pass mit dem Stempel zurück, sondern werde von einem Officer in einen abgesperrten Warteraum der Behörde begleitet.
Geld und alle Ausweispapiere abgeben und im Warteraum setzen. Keine Erklärung, kein Kommentar. Mein Einwand, dass der Anschlussflug nach Orlando in 15 min startet und dass ich dort von meinem Bruder erwartet werde, interessiert keinen. Meine Bitte telefonieren zu dürfen wird abgelehnt. Nach 20 min. des ungewissen Wartens werde ich von einem Officer in ein Vernehmungsbüro geführt. Er eröffnet mir, dass der Grund für mein Festsitzen die fehlende Hausnummer in dem komischen grünen Einreiseformular ist, das ich im Flieger ausgefüllt habe. Dann wurde ich ausführlich zu meinen geplanten Tätigkeiten in den USA befragt. Motorradfahren wurde nicht als Einreisegrund akzeptiert. Also einigten wir uns auf touristische Gründe. Weiter sagte der pflichtbewußte Beamte, wie ich denn in den Besitz eines Motorrades in Florida käme.
Als ich ihm erklärte, dass dies vor ca. 9 Monaten von meinem Bruder erworben wurde, verdächtigte er mich wahrscheinlich vollends terroristischer Machenschaften. Das Gespräch verlief mehr oder weniger ergebnislos und ich wurde wieder in den Warteraum geschickt. 20 min warten!!. Danach wurde ich von o.g. Beamten zum Zoll begleitet, wo auch schon mein Gepäck aufgebahrt lag. Ich sollte mein ganzes Gerödel selber öffnen, wahrscheinlich damit ich mit in die Luft fliege, falls ne Bombe drin ist. Das Erstaunen war groß, als meine kompletten Motorradklamotten (Jacke, Hose, Stiefel, Helm, Protektoren usw. ) zum Vorschein kam. Ungläubig fragte mich der Zöllner, ob man das denn in Deutschland wirklich alles zum Motorradfahren brauche. Also in den Südstaaten führe man nur mit Jeans, Turnschuhen und! Sonnenbrille!. Nachdem die Klamotten kontrolliert waren, durfte ich sie wieder in die Packsäcke verstauen. Danach gings mit 2 Zöllnern in ein kleines Kämmerchen zur Leibesvisitation. Ausziehen bis auf die Unterwäsche, Hände über dem Kopf an die Wand, Füße ca. 1m von die Wand weg. Sehr lustige Spielchen haben die .......
Nachdem auf diese Weise festgestellt wurde, daß ich kein Gramm Semtex, Shit oder sonstigen Dreck dabei hatte, durfte ich mich wieder anziehen und mit Gepäck zurück in besagtem Warteraum 30 min warten ohne weitere Auskunft. Danach zurück ins Verhörzimmer, wo mir der Officer erzählt, dass er bis jetzt keine negative Antwort auf eine Computeranfrage bekommen habe und die Überprüfung somit beendet sei. Ich könne in die USA einreisen, aber beim nächsten Mal solle ich bitte mein Formular richtig ausfüllen........
Endlich aus dem Gewahrsam der Einwanderungsbehörde entlassen und ca. 1.5 Stunden zu spät für meinen Anschlussflug nach Orlando versuche ich erst mal meinen Bruder zu erreichen und wer schon mal mit dem amerikanischen Telefonsystem zu tun hatte weiß, dass man hier sofort in die nächste Identitätskrise stürzen kann. Mit Hilfe eines sehr freundlichen Eingeborenen erreiche ich schließlich den Anrufbeantworter und hoffe, dass mein Bruder ihn vom Flughafen aus mal abhört. Das Umbuchen meines verpassten Fluges war dagegen absolut einfach. In Orlando wurde ich dann auch wirklich von meinem Bruder abgeholt, der meine Nachricht erhalten hatte. Wir fahren zu seiner Wohnung, von der ich die Adresse bis heute noch nicht kenne.
Am nächsten Morgen wird der Musikdampfer (Goldwing) aufgerödelt. Ich verabschiede mich, kontrolliere an der nächsten Tankstelle den Reifendruck ( kostet 25 Cents und ist wegen der amerikanischen psi Druckeinheiten ein bisschen verwirrend). Nachdem nun technisch alles im Griff ist, fahre ich gleich auf die Interstate 75 Richtung Norden und dann am Golf von Mexiko Richtung Westen ( New Orleans). Die Interstate ist schweinelangweilig, aber die schnellste Möglichkeit nach New Orleans zu kommen. Es herrschen so ca. 30 C und eine tropische Luftfeuchtigkeit. Auch die tropischen Regenschauer, die mich mehrmals erwischen, bringen keine Abkühlung. Die Stärke eines solchen Regens ist für Mitteleuropäer fast unvorstellbar. In wenigen Sekunden stehen ca. 5-10 cm Wasser auf der Straße. Der Verkehr bremst auf ca. 30km/h ab, weil man einfach nichts mehr sieht. Die superdichte Regenkombi von Schwein-Gericke ist in einer Minute durchweicht. Also beim Nahen eines solchen Unwetters gleich unter die nächste Brücke und ein Viertelstündchen gewartet bis alles vorbei ist.
Am ersten Tag komme ich bis Pensacola. Von der Interstate runter und Campingplatz gesucht. Damits nicht so teuer wird, fahr ich ca. 1 Meile weg von der Küste. Der Campingplatz ist ein bisschen verschmuddelt aber günstig. Beim Aufbau meines Zeltes werde ich von einem ca. 28 jährigen Wohnmobiler mit 95 Dezibel Heavy Metall tatkräftig unterstützt. Nen guten Geschmack hatte der Junge. Als ich mit dem Nestbau fertig bin, lädt er mich sofort zu einem gekühlten Dosenbier ein (wozu so´n Wohnmobil alles gut ist!!). Er erklärt mir, dass das eigentlich kein Tourizeltplatz ist, sondern dass hier die Wohnmobile und Wohnwägen von Leuten stehen die zeitweise hier arbeiten. Er zum Beispiel arbeite auf einer Großbaustelle nebenan als Dachdecker. In dem 20 Jahre alten Winnebago Wohnmobil lebt er mit seiner Frau und seiner 11jährigen Tochter. Wenn es hier keine Arbeit mehr gibt, fährt er einfach weiter...... Er hat nicht immer so gelebt, hatte auch schon mal ein richtiges Haus gemietet, aber dann ist er bei der Arbeit vom Dach gefallen, hat sich ein Bein gebrochen und alles Ersparte ist für die Ärzte draufgegangen, ganz zu schweigen vom Verdienstausfall. (,..... Gelobt sei unser deutsches Versicherungssystem).So trinken wir uns locker ein und ich lerne noch ein paar von den Platznachbarn kennen.
Am nächsten Morgen werde ich nach dem Packen noch auf einen Kaffee eingeladen und mache mich dann auf in Richtung New Orleans. Vor der Überquerung des Lake Pontchartain besuche ich noch das New Orleans Tourist Information Center auf einem Interstate Rastplatz . Von diesem Service könnten sich deutsche Tourismusbüros ruhig mal eine Scheibe abschneiden: Die Informationsstelle ist da, wo man sie braucht, nämlich ein paar Meilen vor der Stadt. Sie ist jeden Tag von 8 bis 22 Uhr besetzt! (nicht nur werktags von 10.30 bis 15.30 Uhr). Das Personal ist sehr freundlich und kompetent. Ich bekomme einen Stadtplan von New Orleans, auf dem die Anfahrt zur Jugendherberge eingezeichnet ist. Nach der Überquerung des Lake Pontchartain erreiche ich die Vororte von New Orleans, die städtebaulich natürlich genauso verschandelt sind wie der Rest der USA. Die Jugendherberge selbst befindet sich nahe des Garden Districts, also in der historischen Villengegend. Sie ist so unauffällig, dass ich 2 Mal daran vorbeifahre.
In der Jugendherberge sind hauptsächlich junge Amis und Latinos, die in New Orleans mal richtig Party machen wollen. Nach der Unterstellung meines Musikdampfers und Bettbelegung geht es gleich zu Fuß weiter zur Erkundung des Garden Districts. Die alten Südstaaten Villen mit den großen Gärten und den überhängenden Virginia Eichen sind einfach faszinierend. Auf meinem Rundgang erwischt mich wieder ein wasserfallartiges Gewitter. Nach 10 min hört alles wieder schlagartig auf, Temperatur 30 Grad C, Luftfeuchtigkeit 100 %, die Straßen dampfen. Die Hitze ist fast unerträglich und ich ruh mich erst mal in einem Straßencafe aus. Bei einem kühlen Bier kann ich das Street Car beobachten, ein ca. 80 Jahre altes Straßenbahnsystem, das bis heute seinen Dienst leistet.
Kurz entschlossen gehts mit dem Street Car stadtauswärts bis zum Mississippi. Dessen Anblick ist eher enttäuschend. Irgendwie hab ich ihn mir viel breiter vorgestellt. Mit einem kleinen Ausflugsdampfer gehts auf dem Big ol River durchs Industriegebiet zurück zum French Quarter. Hier ist um 19 Uhr natürlich noch nicht viel los. Und ich lass mir Zeit, die historischen Fassaden mit den berühmten spanischen Balkonen zu bewundern. Langsam füllen sich die Straßen, aus den Bars klingt Live-Musik, Türsteher versuchen einen in die Nachtclubs zu ziehen, Gerüche der bekannten Cajun Küche ziehen über die Straßen (lecker Knoblauch). Ich setz mich in eine Kneipe, aus der Hillbilly und Cajun Musik klingt, bestelle Bier und Cajun Shrimps. Die Kneipe ist im Gegensatz zur Straße ziemlich leer. Das liegt, wie ich beim Bezahlen der Rechnung feststelle, wohl eher an den gut gewürzten Preisen als an dem ebenso gut gewürzten Essen. Aber man kommt ja schließlich nicht jeden Tag nach New Orleans.
Am nächsten Morgen treffe ich ein holländisches Pärchen, das mit 2 XL 600 Enduros auf dem Weg nach Mittel- und Südamerika ist. Ein dreiviertel Jahr haben sie sich dafür Zeit genommen. Über mein Vorhaben, in 12 Tagen von Florida nach Kanada zu fahren können sie nur lächeln..... Beim Losfahren vergesse ich, die Sicherheitskette vom Vorderrad zu lösen und wickel mir den ganzen Klumpatsch um die Scheibenbremse. Beim Versuch das Vorhängeschloß zu öffnen bricht der Schlüssel ab. Aus lauter Verzweiflung versuche ich, die Kette mit der Kombizange zu durchtrennen, was mir zu meiner Verwunderung auch gelingt, Bremse und Standrohre sind unbeschädigt, also fahre ich nach Norden Richtung Natchez.
Natchez ist eine Kleinstadt mit historischem Stadtkern direkt am Mississippi. Es ist inzwischen Mittag und so heiß, dass keine Touris (außer mir) im Ort sind. Also entfällt die Kutschfahrt durch die Stadt. Ich mach erst mal Mittag in einem kleinen, klimatisierten Café. Danach schwing ich mich wieder auf die Goldwing und steuer den Eingang des Natchez Trace Parkway an. Der Natchez Trace Parkway ist eine historische Straße, die von Natchez nach Memphis führt und früher die Hauptverbindung zwischen dem Süden und dem Norden dargestellt hat. Heute ist sie eine Art Museumsstraße, die für den LKW-Verkehr gesperrt ist. Ihr Ausbauzustand entspricht einer guten Landstraße und sie führt über weite Teile durch (schattigen) Wald. An der Straße befinden sich zahlreiche Campingplätze, Rastplätze und Aussichtspunkte mit Erklärungen zu historischen Gegebenheiten und Entwicklungen der jeweiligen Gegend. Viele Erklärungen sind so angebracht, dass man sie vom Mopped aus lesen kann ohne abzusteigen. Das Dahingleiten auf dem Parkway ist wirklich entspannend, kaum Verkehr und alle paar Meilen irgendwas zum Anschauen. Gegen Abend schlage ich mein Zelt auf einem State Park Campingplatz auf.
Am nächsten Tag packe ich zeitig und fahre 8 Stunden auf dem Parkway bis zum Meriwether Lewis Camp nahe einem Dorf mit dem wohlklingenden Namen Hohenwald. Die Landschaft ist ein bisschen mittelgebirgig, das Wetter noch immer drückend schwül. Der Campingplatz Meriwether ist riesig, aber außer mir ist nur noch ein Zelt neben einem Pick up Truck auf dem Platz. Ich entschließe mich spontan, neben diesem aufzubauen und bereue es sofort wieder, als ich bemerke, dass der Truck eine Gewehrhalterung hat und der Typ ein Ersatzcowboy ist. Vor dieser Kombination hat mich mein Bruder immer gewarnt! Truck mit Gewehrhalterung + Cowboys = Abstand halten. Und nun hab ich genau neben so einem Typen aufgebaut und im Umkreis von einigen Meilen kein Mensch zu sehen. Trotz des etwas mulmigen Gefühls komm ich mit dem Typen ins Gespräch und wir unterhalten uns über Autos, Steuern, Politik und Arbeit. Ganz werde ich mein mulmiges Gefühl jedoch nicht los und so schlafe ich später doch lieber mit dem Messer neben dem Schlafsack.
In der Nacht bringt ein Gewitter ordentlich Abkühlung und am nächsten Tag folge ich dem Parkway bis Nashville und fahre weiter bis zum Mammoth Cave National Park, einem der weitläufigsten Höhlensysteme der Welt. Die Führung durch die Höhlen ist wirklich faszinierend. Nach der Höhlenbesichtigung gehts auf der Interstate weiter Richtung Indianapolis und in einer Stadt Namens Seymor check ich in ein Motel ein. Erst mal Klimaanlage aufdrehen und Klamotten und Zelt ausbreiten und trocknen. Noch ein bisschen Fernsehen geschaut und eingepennt. Am nächsten Morgen starte ich um acht und stelle fest, dass es deutlich abgekühlt hat. Zum ersten mal seit Pensacola habe ich wieder Jacke, Nierengurt und Handschuhe an. Bis hier hat es auf den Temperaturanzeigen der Fastfoodketten immer 90-94 F, jetzt dagegen nur noch 65F (weiß der Schnee was das in Celsius ist). Nach ca. 7 Stunden Fahrt auf der schweinelangweiligen Interstate erreiche ich den Lake Michigan in Muskegon. Der Eindruck von diesem See ist überwältigend: Eigentlich ist er ein Süßwassermeer und erinnert mit Stränden und Dünen an die Ostsee.
Ich schlage mein Lager auf dem ziemlich überfüllten Statepark-Zeltplatz auf. Die Goldwing, mein Zelt und ich bekommen einen kompletten Platz mit Grill, Sitzbank, Stromanschlußkasten und ca. 80 qm Fläche. Als ich nach Besichtung des Platzes an der Rezeption vorschlage, den Platz mit einem anderen Camper oder einem Wohnwagen zu teilen, übersteigt das die Vorstellungskraft des Campingwarts und er besteht darauf, dass ich den von mir bezahlten Platz auch alleine nutze. Nun denn.... Abends noch mal an den Strand und Sonnenuntergang angeschaut, danach Essen gebrutzelt und ab in die Tüte. Am nächsten Tag sollte es eigentlich bis zu den Sleeping Bear Dünen nahe der kanadischen Grenze gehen. Es ist ein lockeres entspanntes Goldwing Cruisen auf einer kleinen Landstraße entlang der Küste. Am frühen Nachmittag komme ich durch ein Dorf mit dem wunderschönen Namen Arcardia: links der Stra6e ein kleiner Park, anschließend die Küste, rechts ein Postamt, ein paar Wohnhäuser, eine Autowerkstatt (mit einem 70er Jahre Amischlitten davor), ein Motel. Das sah so aus, wie ich mir eine Kleinstadt in Amiland immer vorgestellt habe. Ein verschlafenes kleines Nest, in dem die Zeit festzustehen scheint. Das Kaff ist so klein, dass ich schon wieder auf der Küstenstraße war, als ich mich entschließe in dem Motel nach einem Zimmer zu fragen. Es ist noch frei und ich check ein. Den Rest des Tages verbringe ich mit Chips essen, am Strand rumliegen, Dosenbier trinken, schlafen und lesen. Am nächsten Tag gehts dann auf der Uferstraße weiter zu den Sleaping Bear Dünen . Das sind die größten Binnendünen der Welt. Man kann sie zu Fuß erwandern oder, was dem amerikanischen Charakter eher entspricht, sich mit einem Halbketten-Lkw auf die Dünen fahren lassen. Hier ist ziemlich was los, und der Parkplatz soll auch Geld kosten. Da besichtige ich lieber nebenan das Küstenwache-Museum, in dem die Schifffahrt und die Seenotrettung auf dem Lake Michigan sehr gut dokumentiert werden. Am Morgen springt die Goldwing, wahrscheinlich wegen Batteriealtersschwäche, nicht mehr an. Also kurz einen Fremdstart vom Campingnachbarn geschnorrt und ab auf die I 80 Richtung kanadische Grenze bei Sault St. Marie.
Auf der US Seite noch schnell einen Museumsfrachter angeschaut und dann zum kanadischen Zoll. Der zuständige Beamte ist leider 2 Stunden nicht auffindbar, erledigt dann aber die Zollpapiere sehr zügig und nach Ablöhnen von 380 $ Can darf ich das Mopped nach Kanada einführen. Ein paar hundert Meter hinter der Grenze finde ich das Wasser-Flugzeug-Museum. In der faszinierenden Ausstellung wird ersichtlich, dass die Erschließung großer Landesteile Kanadas nur mit Hilfe der Wasserflugzeuge möglich war. Auf dem Highway 17 fahre ich nun auf kanadischer Seite weiter Richtung Osten. Die Uferlandschaften werden rauer und felsiger. In einem Motel direkt zwischen Highway (Ausbauzustand einer Kreisstraße) und Bahnstrecke ein Zimmer genommen. Nachts habe ich das Gefühl, daß mir die 60 to Trucks durchs Bett fahren und die Güterzüge die Scheiben aus den Fensterrahmen rütteln.
Am Morgen habe ich mir schon jemanden für den Fremdstart rausgekuckt, aber wider Erwarten springt mein Dampfer problemlos an. Weiter gehts nach Parry Sound, einem ziemlich touristischen Ort am Lake Huron. Nach einer Fahrt mit einem Ausflugsboot durch die Georgian Bay mit ihren angeblich 30000 Inseln baue ich das letzte Mal mein Zelt auf. Am nächsten Morgen gehts direkt zum Onkel nach Ottawa. Leider ist es doch nicht möglich, die Goldwing bei ihm für die nächsten Jahre in der Garage zu deponieren, da er sein Haus verkaufen will und keine Lust hat, ein Motorrad beim Umzug mitzunehmen. Also finde ich einen Honda Händler, der die Maschine einlagert (1 Dollar pro Tag!). Im Winter stellt sich dann heraus, dass ich die nächsten Jahre wohl nicht über die finanziellen Mittel verfüge, um noch einmal mit meiner Goldwing Kanada von Ost nach West zu durchfahren und ich beauftrage den Händler, die Goldwing so gut wie möglich zu verkaufen. Abzüglich der Kosten für einen Satz neue Reifen, Umrüstung auf kanadische Spezifikation und der Einlagerungskosten bekomme ich ca. 1 Jahr später als Verkaufserlös noch ca. 1000 $ Can (1200 DM). Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass der Verkauf mehr gebracht hat und dass mich der Händler ziemlich beschissen hat. Fazit der Reise: Ein unvergeßliches Erlebnis; auf einer Goldwing GL 1200 kann man auch Motorradfahren und sie ist für Nordamerika genau die richtige Maschine. Ein Motorrad von den USA nach Kanada einzuführen und dort zu verkaufen ist ein Verlustgeschäft.
Fränky