Alle Jahre wieder...
...Weihnachten droht !
Hat alles geklappt haltet Ihr dieses druckfrisch vor Weihnachten in euren zarten Händen. Zart müssen sie schon sein -die Hände- jetzt zu Weihnachten. Die Kinderlein wünschen sich liebevolle Geberhändchen... und wir vom Layoutteam wünschen uns: Legt dieses Heft unter den Weihnachtsbaum! Habt Ihr keinen, dann legt ihr diese SPI an euren Lieblingsplatz! Warum?
Big Brother for Stressers
Wegschließen ist megahip. Ob Egon Krenz, Zlatko oder Renate Wallert - sie alle lassen sich einsperren und dabei beobachten. »Big Brother« boomt weltweit, die zweite Staffel läuft schon, TV-Sender kündigen neue, verschärfte Knast-Serien an. Nun kontert der SPAD (STRESS-PRESS-Abschirm-Dienst) ultimatv und schließt ebenfalls ein: Drei Mann auf einem Gespann. Und DU entscheidest, wer über Bord geht! Erlebe in diesem Real-life-Artikel mit, wie die Big-Brother-Gespann-Probanden auf einem High-Tech-Gespann aus russischer Fertigung abgeschnitten jedweder abendländischer Zivilisation, auf die Autobahn geschickt und mit der Schreibmaschine beobachtet werden. Bestimme DU, wer gehen muss!
Ja, wir haben verstanden. Die Regeln sind klar: Eine Woche lang werden wir völlig abgeschottet auf ein Ural-Gespann gepfercht über deutsch Autobahnen fahren. Jeder Tag kostet Geld und Nerven. Und jeder Abend endet mit einem privaten Videoprotokoll, das den Lesern vorgelegt wird. Ja, wir wollen es wissen: Wie lange können sich drei erwachsene Menschen auf engstem Raum gegenseitig ertragen und aushalten? Ist eine Gespannfahrt wirklich lustig? Ist Körpergeruch schlimmer als Ölnebel? Und vor allem: Wer wird übrig bleiben?
Die Probanden: Drei Männer, die ihre besten Tage längst hinter sich haben, die zu allem entschlossen sind. Alle bringen die erforderliche Arbeits- und Perspektivlosigkeit mit. Wir sind grundverschieden und uns doch sehr ähnlich: In der Sucht nach Ruhm und der Gier nach Geld. Wir wollen unsere Nachnamen verlieren und Platten aufnehmen. Werbeverträge, Talkshowauftritte, eventuell sogar ein Platz auf Jenny Elvers. Das wäre das größte, für jeden von uns. Für den abgetakelten Fahrlehrer Hans H., der schon vor Jahren als Reifenmontierer keine müde Mark Trinkgeld erhalten hat; für den gestrandeten Psychologen und Dünenbesteiger Godber K., der schwer darauf spekuliert, dass auch Frauen an Bord eingesperrt sind; und für mich selbst, den abgewrackten Leichtpassagier Propeller B., den im wirklichen Leben nichts und niemand zurückerwartet. Nicht einmal ein Pfändungsbescheid. Dafür wartet auf dem Parkplatz an der Autobahn schon der König der Feinmechanik: Kapitän Kalli.
Es ist 3 Uhr morgens. Irgendwo zwischen polnischen Klein-LKW´s, Zementlaster der Freimaurer und weisrussischen Trucks die mit englischen Rindern auf dem Weg nach Marokko sind steht Stalins Rache, das Uralgespann. Wie Kalli uns versichert: Legal Gefunden als es bei Krktrosibirsk aus der Transsibirischen Eisenbahn fiel. Für ein fabrikneues Gerät hat der SPI-Big-Brother-Fond leider nicht gereicht. Schließlich finden wir unser Gefängnis: Ein ehemals feuerrotes Gespann mit sechs 20-Literkanister auf dem Kofferraum. Da sollen wir es 7 Tage lang aushalten. Vor dem Einziehen erklärt uns Kapitän Kalli wie man den Dieselmotor des Gespannes unter Zuhilfenahme eines kasachischen Taiga-Spiritus-Kochers startet. Wir sind entsetzt aber in anbetracht des Kraftstoffverbrauchs und der mitgeführten Reservekanister in der Hoffnung dieses Prozedere nur einmal durchführen zu müssen.
Dann zeigt uns Kapitän Kalli das Interieur des Beiwagens nebst den Sanitären Anlagen. Für das unvermeidlich anfallende "Geschäft" hat man lediglich den mit Tundragras ausgestopften Beiwagensitz anzuheben. Darunter befindet sich ein Rostloch von ausreichender Größe...
Zunächst aber gehen wir in die Raststätte des Lomo-Autohofes. Der Beginn der Fahrt ist auf 6 Uhr festgelegt. Wir bestellen uns das Stammessen, Schweinzhaxen mit dicken Bohnen und Linsensalat. Schweigend bunkert jeder Teilnehmer 4000 Kalorien. Das muss bis zum Abendessen reichen. Hans H. und Godber K. machen drohen mir mich wegen Doping anzuzeigen weil ich statt der dicken Bohnen eine Knolle Knoblauch ins Essen schneide. Noch sitzen wir zu dritt hier, aber bald wird der erste von uns vom Gespann gewählt werden. Wer wird es sein?
Jeder von uns hat andere Erwartungen an diese Experiment. Godber K. als notorischer Gasgriffverbieger gibt sich in anbetracht der zu erwartenden Leistungsentfaltung unseres Transportmittels hemmungslos. Vordergründig gibt er an sich tiefere Einblicke in die entstehungsweise gruppendynamischer Psychosen und Neurosen zu verschaffen.
Hans H. setzt auf vorbeiziehende LKWs. Als spätachtundsechziger Träumt er immer noch von einem politischen Doktortitel. Titel seiner Dissertation, so verrät er uns haxenabschmatzend: Gib Gummi. Mir bricht der Schweiß aus, angesichts dieses in sich bergenden politische Sprengstoffes.
Sechs Uhr. Wir steigen aufs Gespann. Während ich von meinem Lieblingsthema erzähle, die 5/4 Eckschwedenzanke im gekrümmten Raum, schlägt Hans H. spontan vor ich soll mich doch gleich nach vorne an den Lenker setzen. Godber K. beruft sich auf seine schnell funktionierende Verdauung und nimmt im Boot platz. Hans H. lässt sich federnd auf den rückwärtigen Schwingsattel nieder.
Nun gut, ich beginne mit dem Versuch mittels des gelieferten Feuersteins einen Funken auf den Taiga-Spiritus-Kochers zu bringen. Bereits nach dem dritten Versuch mit dem Faustgroßen Stück Feuerstein am Tank den entscheidenden Funken abzulösen, läuft mit das Blut aus dem Daumen. Godber K. meint, na, das kann ja Eiter werden.
Dann, plötzlich: Flash. Der voll aufgedrehte Taiga-Kocher beaufschlagt mein Helmvisier mit derselben Flammensäule welcher einst den Sputnik ins All gebracht hat. Während uns vom gegenüberstehenden Kerosintransporter der Firma Shell sinnentleerende Schreie erreichen, atme ich aus und öffne das Helmvisier. Des Sauerstoffes beraubt fällt die Flammensäule in sich zusammen. Hans H. tritt reflexgesteuert auf den Kickstarter und der heiße Motor beginnt seine schwere Arbeit zu tun. Unauffällig reihen wir uns zwischen den abfahrenden LKWs ein. Eine Minute später sind wir auf der Autobahn.
Hans H. will sich beliebt machen in dem er uns grüne Tomatenmarmelade anbietet. Godber K. indessen versucht sich indessen auf dem zur Bordausrüstung gehörenden Lookbuch die unter uns durchlaufende Autobahn abzumalen. Nach einigen tausend Metern bricht er den Versuch erfolglos ab. Autobahn sei "scheiße" zu zeichnen.
Kapitän Kalli welcher nun schon seit einigen Stunden auf seinem Klapprad neben uns her fährt und unser Tun auf einer Videokamera dokumentiert, radelt auf die Beiwagenseite und bittet Godber K. für seine Tochter ein Maskottchen, eine kleine Plüschtiermaus zu zeichnen. Für ihn, den Kalli. Untertänig willigt Godber K. in den irren Plan ein. Handschlag. Kalli werde die Maus erhalten.
Stunden später, mittlerweile sitzt Hans H. am auf- und abschlagenden Lenker, wird Godber K. auf dem rückwärtigem Schwingsattel klar auf was er sich da eingelassen hat. Was, so fragt er, was, abzeichnende Maskottchen eine Uli-Stein-Maus ist? Godber K. schaudert. Schon viel, erklärt er, habe er in seinem verpfuschten Leben an Erniedrigungen und Beleidigungen ertragen müssen, aber noch nie im Leben habe jemand von ihm verlangt eine Uli-Stein-Maus zu zeichnen. Das gehe einfach nicht. Hans H. und ich erklären dem Verzweifelten freundlich, dass wir jederzeit beim Aussteigen behilflich sein würden. Ist Godber K. der Erste und wer wird übrigbleiben?
Das Videoprotokoll verzeichnet überraschendes: Hans H. nominiert Godber K. aus, wie er meint intellektuellen Gründen, Godber K. nominiert sich fatalerweise selbst, weil er, so gesteht Godber K. freimütig ein, mindestens 7 Tage brauche um sich zu überwinden, eine Uli-Stein-Maus zu zeichnen. Ich habe die Klopapierrolle am Beiwagenschutzblech heimlich 12 Meter abgerollt und unbemerkt mit Füller "Du, ja du hast verloren" draufgeschrieben, wieder alle aufgewickelt und die Rolle in die Halterung gehängt.
Ein Straßenschild taucht auf, Kassel 9 km.
Jetzt seid Ihr dran, Leser! Ihr entscheidet wer rausfliegt! Wer in Kassel bleibt, wer weiter nach Göttingen fährt, wer davongejagt wird! Schickt Eure Nominierung bis spätestens 31.1.2001 per Postkarte an STRESS PRESS, Redaktion Nord, z. Hd. Sigrid Gohlke, Im Hag 24, 22607 Hamburg, Sichwort: Big Brother for Stressers. Unter allen weiblichen Einsendern wird die Nacht nach Beendigung der sieben-Tage-Fahrt mit dem Sieger verlost! Unter den männlichen Einsendern eine Nacht auf der Ural!
Episode: Stresser im Wellness-Hotel
Stresser T. aus M. überlegte, mit Therapeut Diether zu besprechen, ob die Papaya-Knoblauch-Fenchel-Gesichtsmaske, die ihm um 16.00 Uhr aufgelegt werden würde, nicht auch ein probates Mittel gegen seine mittlerweile nicht mehr zu übersehenden Kniefalten wäre, die seinen sonst so straffen Körper ältlicher wirken ließen, als seiner sensiblen Psyche guttat.
Der STRESSER ist schneller als das Licht. Der Beweis:
Der Beschäftigungstipp für langweilige Feiertage:
Liegengebliebene Pizza vom Vortag zwei Stunden lang in Seifenlauge einweichen, bei 220 Grad im Bachofen erhitzen, wegschmeißen, fertig.
In eigener Sache
Nach der letzten Allensbacher Medienbefragung ist STRESS PRESS die am wenigsten zitierte Motorradzeitschrift in der Tagesschau! Wir danken allen Lesern, die dazu beigetragen haben!
Der STRESSER liebt auch auf den Wintertreffen das mondäne Outfit. Der SPAD hat sich in der Out-Couture umgeschaut und für Euch die Zwerchfellmode entdeckt.
Muß-man-haben-Faktor 100!