Geschichten aus dem MZ-Asyl, Teil 2:

Rent- a- Rentner!


Was hat das mit Mopettfahren zu tun, werden sich viele von euch fragen. Das kommt schon noch! Wie ihr wisst kann man heutzutageja fast alles mieten, vom fahrbaren Klohäuschen über Suppenteller so ziemlich alles für den täglichen Gebrauch. Doch was macht man wem man in einem Anflug von Irrsinn (oder Größenwahn) innerhalb von vier Monaten die zweite MZ kauft, noch dazu die letztere mit Beiwagen "Superelastik" (ob das die Bezeichnung für die Rostverbindungen war?) und der Verkäufer sagt was von "bisschen was zu machen aber es sei nicht hoffnungslos" und man ist ganz wild auf so ein schönes Stück Biker-Glück? Richtig! Man hat entweder einen Haufen Kohle, manche nehmen für harte Arbeit auch weiche Deutsche Mark, oder man mietet sich einen Rentner.

Diese Rentner wachsen ja normalerweise nicht an jeder Ecke, aber ich habe das große Glück in einer fruchtbaren Gegend zu wohnen und habe rechts neben mir so einen wunderbaren, fast gesunden und kräftigen, mit allen Göttingern bekannten, in allen Stresserkreisen bekannten, immer zu Späßen aufgelegten Rentner wohnen. Dieser hat links neben meiner Garage seine, immer mit allerlei MZ-Teilen und manchmal auch mit ganzen Maschinen, wohl gefüllte Garage. Da durfte ich bisher schon mehrmals reinschauen, wurde aber jedes Mal beim Verlassen durchsucht, ob nicht aus Versehen ein kleines Teil bei mir hängen blieb.

Natürlich war er voll begeistert als ich noch eine Emme kaufen wollte. Er hatte an meiner ersten ja fast nichts zu basteln, es war die ETZ 250 NVA, die im ganzen angeliefert wurde. Doch das aus dem Süden zugelaufene Stückchen "Rost- Erich", ähhh reiner Edelrost Marke MZ, machte ihm so viel Freude, dass er ihn gestreichelt und ruck- zuck zerlegt hatte. Er arbeitete wie ein bestbezahlter Manager, bei Tag und Nacht, sogar die Minusgrade in meiner nicht geheizten Garage im Winter hielten ihn nicht vom Schrauben ab. Was will man mehr von einem "Rent- a-Rentner"I

R eg le r - Fein einstellung!

Immer wenn ich abends nach Hause kam wurde ich mit einem neuen Teilehaufen begrüßt und ich musste jedes Mal nachfragen, was ich wegschmeißen und was ich grundieren oder lackieren darf, denn das war meine Arbeit für die erste Zeit. Später dann habe ich noch ein paar Kabel ändern und verlegen dürfen. Das Boot war dann endlich für mich zum basteln und ich habe natürlich mein bestes gegeben. Es dauerte Mederer's Vadder aber zu lange und er besorgte sich ein eigenes MZ-Gespann, mit einem neuartigen Antriebssystem, das mit einigen Litern Alster-Wasser aus Hamburg lief. Das war dann recht praktisch für mich, denn ich hatte ein Anschauungsobjekt wie es hinterher wieder ausschauen muss, auch wenn die Baujahre nicht ganz passen.

Doch manchmal mache ich mir schon Sorgen um Mederer's Vadder, denn neulich hat er in seinem Garten doch tatsächlich einen nackten MZ-Rahmen teilweise eingegraben. Es sah schon etwas komisch aus. Er sagte etwas wie "das brauche ich zum Lackieren als Gestell" oder so, aber ich glaube, er weiß noch nicht, dass die Emmen nicht aus dem Boden wachsen (oder habe ich was verpasst?). Leute, ich glaube ihr müsst uns unbedingt wieder was ins Nürnberger MZ- Asyl bringen (es kann auch abgeholt werden!!) sonst verkümmert mein so sehr geschätzter "Rent- a-Rentner" und wird womöglich wieder von seiner Frau oder Tochter zum Haus- Renovieren eingespannt! Aber so ein Schraubenpotenzial in Sachen MZ darf man einfach nicht verkommen lassen!!

Grüße euer HEIWO

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