Wir entdecken die Welt
Eine Insel! - Wo denn? - Ah, jetzt, ja!
Lanzarote ist eine interessante Insel vor der Nordwestküste Afrikas auf dem 28. Breitengrad. Die Urbevölkerung hat sich weder durch die spanischen Eroberer 1402 noch durch die furchtbaren Vulkanausbrüche von 1730 bis 1736 vertreiben lassen.
Den dritten Anlauf zur Ausrottung unternehmen derzeit Myriaden deutscher Kukidentisten, die wie eine inkontinente Ganzjahres-Stampede das Eiland überhumpeln. Die fliegenden Frachter von Coronair, Atemnothansa und Prostatair verklappen wöchentlich etwa 50.000 Gebißträger auf die östlichste der Kanaren. Bei einer Einwohnerzahl von 80.000 Eingeborenen ist dies ein Verhältnis, das, um mit Herrn Stoiber zu sprechen, innerhalb eines halben Jahres zur völligen "Durchrassung" führen würde, wenn die abgekippten Greise nicht schon seit der Gründung von Neckermann-Reisen das zeugungs- und gebärfähige Alter verlassen hätten.
Der Sommer 1998 war bekanntlich völlig durchnäßt. Selbst im sonnengewohnten Odenwald wuchs uns Blauschimmel unter den Achseln, so daß wir uns erstmalig entschlossen, in die Sonne zu fliegen und pauschal zwei Wochen Lanzarote buchten.
Ich gebe zu, wir hätten es wissen müssen. Doch der Mensch wird nur aus eigener Erfahrung klug. Immerhin: Unsere Allgemeinbildung hat sich beträchtlich erweitert. Wir wissen nun,
- daß die Zahl der Sterne eines Hotels die Anzahl der Stunden bezeichnet, die zwischen dem Essen und dem Magenauspumpen liegen;
- daß Mietwagenfirmen für die Überschwemmung Lanzarotes mit vierrädrigen Buntglascontainern sorgen, die prall gefüllt sind mit seniler Demenz und der Unfähigkeit, ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor schneller als 30 km/h und ohne ständige abrupte Stopps zu bewegen;
- daß daher die Kanareninsel die Region Spaniens mit der höchsten Unfallquote ist, wozu allerdings auch viele Briten beitragen, die sich statt in englischen Altersheimen auf den linken Fahrspuren Lanzarotes aufhalten;
- daß die Insel über 30 Vulkane verfügt, daß aber 800 Quadratkilometer scharfkantiges Lavagestein stalingradgestählte Seniorenärsche nicht daran hindert, Krater und Magmablasen mit Endprodukten teutonischer Verdauung zu füllen;
- daß fritierte Calamares-Ringe durchaus Konsistenz, Farbe, Geschmack und Aussehen von Altreifen besitzen können, die Schrumpfkopf-Jägern in die Hände gefallen sind.
Doch ich will nicht ungerecht sein: Lanzarote ist eine erstaunliche Insel von bizarrer Schönheit, die, hält man sich von den Schwärmen 4711 stinkender Geronti fern, einen abenteuerlichen Motorrad-Urlaub bieten kann. Außer Kleinstwagen sind nämlich auch Enduros , bis hin zu Hondas SLR 650 (immerhin ein spanisches Produkt) mietbar, wenn auch mit etwa 45 bis 80 DM pro Tag nicht gerade als Schnäppchen und im Gegensatz zu Autos, nicht an jeder Straßenecke.
Die Anreise wird dagegen zu Spottpreisen gehandelt: Last-minute- oder Billigflüge kosten pro Nase hin und zurück um die 350 Mark, und wer nicht gerade im Sommer reist (auf den Kanaren scheint das ganze Jahr die Sonne), braucht auch keine Unterkunft im Voraus zu buchen. Tip: Vor allem im grünen Norden der Insel, weitab von den Touristenzentren des Südens, gibt es private Unterkünfte, erkennbar an einem Zettel am Haus des Vermieters.
Schotterpisten zu den atemberaubenden Plätzen der Insel garantieren dem Enduristen einsame Aussichten auf und in Krater, über quadratkilometerweite Mondlandschaften voller Lava, auf Brandung an Steilklippen, weiße und schwarze Strände, Palmentäler und Dörfer mit hellweißgetünchten Häuschen, die in der kanarischen Sonne gleißen.
Wer mehr wissen möchte, kann sich vertrauensvoll an die Redaktion Rhein-Neckar wenden. Aber Achtung: Nur unter Höchstalter 102 (Kopie des Personalausweises genügt).
Hans aus Großsachsen.