Fast jeder von uns kennt Bing. Bing Vergaser ist eine alt eingesessene Nürnberger Firma die früher auch noch Badeöfen herstellte, die ich als Installateurstift montieren und reparieren durfte. Bing Vergaser waren, glaub ich an allen in Nürnberg hergestellten Motorrädern, zigtausende damals in der Hoch-Zeit der Nürnberger Motorradindustrie.
Klar, daß auch meine MZ auf Bing umgerüstet wurde. Bing krönt die Figur. In letzter Zeit viertaktete der Motor im oberen Drehzahlbereich, o.k. holst Dir halt von Bing ein kleines Düselein, n Klacks. 3,5O DM sowas hat sie das letzte Mal gekostet, n Fünfer übern Ladentisch geschoben, Rest für die Kaffeekasse, BING-o, gut, daß es Bing hier am Ort gibt.
Doch diesmal hat mich das Schicksal grausam geschlagen. Bing ist umgezogen in pforzpfornehmen Neubau hätt' mich warnen sollen, doch mich beeindruckt sowas halt nicht, hab mich zu einer Dame durchgefragt, die mir so ein Ding von Bing übern Tresen schieben sollt'. Klappte auch anstandslos, doch dann kam der Hammer: DM 23,-- Bearbeitungsgebühr für den Verkauf einer 130er Düse plus DM 3,95 sind rund 27,00 Mark!!!
Zum Verkaufsleiter durchgefragt und meine Meinung über diesen Wucher losgelassen. Der Mann war höflich und nett, aber von seiner "einnehmenden" Methode rückte er nicht ab. Es sei halt furchtbar aufwendig Kleinzeug abzugeben (Aufwendung: eine handgeschriebene Rechnung) und ich sollte halt' zu einer hiesigen Firma gehen, die Bingteile vertreibt - Bing vertreibt nur Kunden- und seitdem weiß ich, was ich in meinem Berufsleben falsch gemacht habe: Nehmen ist seliger denn Geben.
Was er als mein Kunde tun würde, wenn ich ihm ein paar Pfennig teure Hahndichtungen mit ebenfalls 23 Märker verkaufen würde? Verlegen wand er sich wie ein getretener Wurm und meinte man könne so etwas nicht vergleichen, außerdem könne ich ja die Düse wieder retour geben. "Um Gottes Willen, da würde ja logischerweise wieder der gleiche Arbeitsaufwand und somit die gleichen Gebühren nochmals anfallen, demnach 46.-- DM für eine Nicht-Düse?!" "Aber nein", beruhigte er mich, schließlich sei Bing zu seinen Kunden kulant.
Kurz überlegt: Jetzt ist Mittagszeit und der empfohlene Laden wahrscheinlich geschlossen, warten oder heimfahren und wieder in die Stadt kommt auch nicht billiger.Also in den sauren Apfel gebissen in der Gewißheit, mal wieder richtig abgezockt worden zu sein. Schließlich mußte der Neubau ja auch finanziert werden.
Aber seitdem ich in den
Nürnberger Nachrichten die Metalldotierungen verfolge, bin ich
richtig stolz auf mein Bing-Düslein, denn: lndustriegold 1,00 Kg
DM 19.000,--.
Sofort Düslein nachgewogen:
1,00 Gramm = DM 19,-. Gewinde, Sechskant, Bohrung und
Gewinnspanne noch dazu sinds locker DM 27 -.
Jetzt seh ich das Ding von Bing schon mit ganz anderen Augen. Abwechselnd trage ich's mal am Halskettchen oder als Ohrstecker und auf einer Promi-Fete - da laß ich keine aus- fragte mich ein stadtbekannter, dienstlich anwesender Zuhälter, was das Ding wohl sei. "Das Ding von Bing", antwortete ich, es sei derzeit mega-in und um sich sowas leisten zu können, müsse er seine Puffotter zum Abschmierdienst noch viele mal unter den Mann bringen, stichelte ich.
Er verschluckte sich an seinem Nuttendiesel, genierte sich fürchterlich so ein gülden Düselein nicht zu haben, versenkte seine erst kürzlich geklaufte Hongkong-Rolex im Straßengulli, verschwand mit irrem Lachen im Nebel der Nürnberger Altstadt und war seitdem nicht mehr gesehen. Er soll als Hilfsheizer auf einem Seelenverkäufer bei den Falklands verreckt sein.
Auch außenpolitisch kommt wegen dem Ding von Bing einiges auf uns zu: die Queen beispielsweise hat's beim nächsten Staatsbesuch bei uns schwer: zum Ärger mit ihren Royal-Bankerts kommt der mit dem Protokoll und Zeremonienmeister noch dazu. Denn in ihrer Krone fehlt ein Ding. Das Ding von Bing: Da helfen ihr auch die paar Pfund Orlow- und sonstige Brillies auf ihrem Haupte nix. Statt vom Bundespräsidenten im Rolls Royce wird sie höchstens von der Reichstagsoberersatzklofrau im Panda abgeholt. Recht geschieht ihr. Ihr fehlt ein Ding:
Das Ding von Bing.
Letzter Schrei: Spaßhalber habe ich die wertvollste aller Düsen als Nasenstecker benützt. Beim Niesen pfeift's! So wie ich in Zukunft auf Produkte von Bing.
Leicht zornig
Mederers-Vadder, Nürnberg