STRESS PRESS INTERNATIONAL

Nr.1 "Die Urausgabe"


Der Versuch, zu erklären, warum ich Motorrad fahre

Zuerst einige Zitate aus der Werbung: Betriebsanleitung BMW:
Das Motorrad ist eine permanente Herausforderung des Mannes; eine Herausforderung zum Abenteuer der Beherrschung der Maschine durch den Menschen - unmittelbar, unverfälscht, Wind, Wetter und Straße sind immer wieder neu zu erfassen und abzuschätzen - zu beherrschen. Dazu die Maschine!

Aus der Zeitschriftenwerbung für BMW:
Bei Motorradfahrern ist nicht nur eine individuelle Lebensführung zu erkennen. Zum Motorradfahren gehört darüber hinaus eine sportliche Grundeinstellung und persönliche Merkmale wie Vitalität und Dynamik. Motorradfahren ist der angemessene Sport für jene Individualisten, die es bevorzugen, die Freude an dynamischer Bewegung auf eigenen Wegen zu erfahren.
So, nun genug Werbung von BMW, sonst bekommen Fahrer anderer Marken noch Minderwertigkeitsgefühle.
Warum gibt es bei dieser Werbung eigentlich noch Fahrer anderer Marken?

Ein Motorradbuchausschnitt:
Sie sitzen auf ihren Motorrädern mit Gefühlen, wie sie einmal die Trapper auf ihren Gäulen gehabt haben mögen. Freiheit, Weite, Wind spüren sie, wenn sie durch die Prärie fahren, "anders als andere".

Und noch ein Buch:
So ist es wohl, wenn man Motorrad fährt, sieht man die Welt mit anderen Augen an. Im Auto sitzt man ja immer in einem Abteil, und weil man so daran gewöhnt ist, merkt man nicht, daß alles, was man durch das Autofenster sieht, auch wieder bloß Fernsehen ist. Man ist wieder passiver Zuschauer und alles zieht gleichförmig eingerahmt vorüber. Auf dem Motorrad ist der Rahmen weg. Man ist mit allem ganz in Fühlung. Man ist mittendrin in der Szene, anstatt sie nur zu betracten, und das Gefühl der Gegenwärtigkeit ist überwältigend. Der Beton, der da 5 Zoll unter den Füßen abrollt, ist echt, derselbe Stoff, auf dem man geht, er ist wirklich da, so verwischt zwar, daß er sich nicht fixieren läßt, aber man kann jederzeit den Fuß darauf stellen und ihn berühren. Man erlebt alles direkt, nichts ist auch nur einen Augenblick dem unmittelbaren Bewußtsein entzogen.

Was ist denn nun wirklich so schön an unserer Art Motorrad zu fahren? Die nichtendenwollende Aus- und Anplünderei, das Beladen der Maschine, das Wo-packe-ich-bloß-noch-die-Zahnbürste- hin????????????? Jeder Witterung ausgesetzt sein, Schnee, Regen und brütender Hitze, das Trocknen der Handschuhe auf dem Zylinder. Ölzeug an - Ölzeug aus und ewig schmutzige Finger. Haben wir den alle, wie böse Kritikerzungen behaupten, Minderwertigkeitskomplexe und Potenzschwierigkeiten, die man je nach Hubraum-Klassen aufzuwiegen versucht?
Oder, ist es bloß Geltungssucht?
Oder, suchen wir die Bewunderung der nicht-motorradfahrenden Bevölkerung (mit 4 in 0 Anlagen). Sind wir stolz über die Bemerkung der kleinen Jungen: "Mensch ist das ein Koffer, die läuft 200".
Oder ist es der bewundernde Blick der Teenager? (aud Mensch und Maschine) Oder der glasige Blick schon etwas betagter Familienväter, die auch schon mal früher eine Regina oder Max besessen und gefahren haben?

Auf all die Fragen gibt es wohl keine befriedigende Antwort. Ich persönlich fahre Motorrad, weil es mir Freude bringt. Freude an der Geschwindigkeit, Freude am Kratzen des Sturzbügels in den Kurven, Freude am Vorbeifahren an Kolonnen, eben das Schnellersein als die Vierrädrigen.
Aber auch das einsame Dahinbummeln in landschaftlich schönen Gegenden, eben anders als andere.
Dafür nehme ich all die Nachteile des Motorradfahrens, die Gefahr, das Bewußtsein, irgendwan gesundheitlich Schaden zu nehmen, Rheuma, Erfrierungen usw. gerne in Kauf. Angeregt zu diesem Artikel hat mich ein Gespräch am Lagerfeuer mit einigen Motorradfahrern. Keiner konnte mir Antwort auf die Frage "Warum fährst Du Motorrad?" geben. Alle sagten nur, weil es Freude macht. Die Frage gebe ich hiermit an unsere Leser weiter. Schreibt uns bitte Eure Antwort auf meine Frage: Warum fährst Du Motorrad? Die nächsten Antworten werden in der nächsten Ausgabe von STRESS-PRESS gedruckt.

Sausi, Husum